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Apothekensterben: Selbst Schuld?

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Apothekensterben: Selbst Schuld?

ARD PlusMinus vom 27.05.2026

In einem insgesamt gut recherchierten Beitrag zum Thema “Apothekensterben” des Magazins PlusMinus geht die Redaktion ab Minute 9:59 auf die Probleme, die wir in den Apotheken heute haben, ein. Zunächst wird der ehemalige Inhaber einen rheinland-pfälzischen Landapotheke interviewt, der berichtet wie stressig sein Arbeitsalltag war und wie groß seine Angst war keinen Käufer für seine Apotheke zu finden. Im Anschluss wird der Bogen zu einer Firma geschlagen, die Apotheken zwischen Käufer und Verkäufer gegen ein Honorar vermittelt. Der dortige Geschäftsführer begründet die schwierige Nachfolgesuche damit, dass die jungen Kolleginnen und Kollegen nicht bereit sind in ländliche Regionen zu ziehen um dort eine Apotheke zu übernehmen. Und das, obwohl es auch im ländlichen Raum Orte mit ausreichend Infrastruktur gibt. Stattdessen möchten junge Inhaber:innen stadtnah arbeiten und leben. Dort ist -so vermute ich das- für den Vermittler aber kein Markt, weil diese Apotheke, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, leichter verkauft werden.

Im Beitrag wird auch auf das seit über 10 Jahren nicht erhöhte Apothekenhonorar eingegangen. Um es kurz zu wiederholen: die Apotheke erhält beim Verkauf von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein festes Honorar, das unabhängig vom Einkaufspreis des Medikaments ist. Dieses Honorar wurde 2004 auf € 8,10 festgelegt und 2013 um 25 Cent auf heute € 8,35 erhöht. Wie wir alle wissen sind in den vergangenen gut 20 Jahren alle Preise gestiegen und die durchschnittliche Inflation lag bei ca. 1,95%. Daneben kamen für alle Apotheken zusätzliche Kosten durch die Einführung von E-Rezept und elektronischer Patientenakte dazu. Diese werden zwar teilweise kompensiert, aber eben auch nur teilweise. Wäre das Honorar analog zur Inflation gestiegen, läge es 2026 bei € 12,63. Leider hat man 2004 vergessen einen Anpassungsmechanismus analog den Diäten der Bundestagsabgeordneten in das Gesetz zu schreiben. Stattdessen wurde schwammig formuliert, dass das Honorar von Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium gemeinsam geändert werden kann. Und genau daran sind alle Versuche eine Erhöhung durchzubringen gescheitert, weil beide Ressorts von unterschiedlichen parteipolitisch geprägten Minister:innen geleitet wurden und nie einer Meinung sein wollten. Aber gut, das ist wie es scheint Geschichte: das Honorar soll dieses Jahr auf € 9,00 und im kommenden Jahr auf € 9,50 erhöht werden. So lautet zumindest die Ankündigung aus der Regierungskoalition…

Neben dem Honorarproblem hat in den letzten Jahren auch die Konkurrenz durch ausländische Versender zugenommen. War hier bis vor kurzem nur der nicht-verschreibungspflichte Bereich ein Wachstumsmarkt, hat sich das durch die Einführung des E-Rezepts und einem Verfahren, das speziell von und für die Versender entwickelt wurde im letzten Jahr verändert: auch im verschreibungspflichtigen Markt steigen die Ab- und Umsätze im Versandhandel. Das liegt unter anderem auch daran, dass insbesondere die ausländischen Versender mit illegalen Rabatten auf die Zuzahlung werben. Einer deutschen (Versand-)Apotheke sind solche Rabatte untersagt und wer sie gewährt, wird entsprechend bestraft. Leider endet das deutsche Recht an der Landesgrenze und so passiert bei den ausländischen Versendern: nichts.

Im Beitrag kommt auch der Gesundheitsökonom Prof. Dr. David Matusiewicz zu Wort. Und auch wenn ich Herrn Matusiewicz schon life erlebt und für “gut” befunden habe, irrt er in diesem Beitrag mit seiner Meinung, dass Apotheken nicht “innovativ” genug seien. Seine “Knalleridee” mit dem “Apothekenwagen” habe ich als Inspiration für das Bild dieses Beitrags verwendet. Scheinbar hat ein Gesundheitsökonom keine Ahnung von den schon seit fast 20 Jahren existierenden Rabattverträgen der Krankenkassen, die einen “Apothekenwagen” so gut wie unmöglich machen, weil man nie das richtige Medikament für die “richtige” Krankenkasse vorrätig haben kann. Die Botendienste, die er anspricht, führt jede deutsche Apotheke seit Jahrzehnten(!) durch. Und zwar nicht mit 3 Tagen Lieferzeit wie bei den Versendern, sondern mit wenigen Stunden, wenn es schlecht läuft vielleicht mit einem Tag Versatz.

Angesprochen werden auch die “Pharmazeutischen Dienstleistungen”, die wir seit 2022 anbieten können. Hier fehlt uns oft die Zeit diese Dienstleistungen unterzubringen - zumindest in unseren beiden Apotheken. Dazu kommt ein für Deutschland typischer Dokumentations-Overhead, den die Patienten nicht begreifen und der das Ganze wieder mal verkompliziert.

Die “Tankstelle Gesundheit”, die Prof. Matusiewicz anspricht, halte ich für durchaus möglich, auch wenn -wenn ich meiner letzten Fortbildung zum Thema “Longjevity” glauben darf- Supplemente dabei keine große Rolle spielen. Aber als niederschwellige Anlaufstelle für dieses Thema sind wir schon heute für unsere Kunden bzw. Patienten da und bieten entsprechende Tests, z.B. für Vitamin D, an!

Auch der syrische Kollege in Rheinland-Pfalz wünscht sich in seinem Schlusswort weniger Bürokratie: “Da muss er [der Kunde] kein Formular ausfüllen. Der kriegt sofort Hilfe und dann geht er wieder raus”. Genau das haben wir leider im Moment nicht. Für jede pharmazeutische Dienstleistung, die wir erbringen, muss der Kunde unterschreiben. Nicht einmal, sondern zwei- bis dreimal. DAS kann es nicht sein!